Tipps & Tricks

Ticket-Apps:
verschenktes Potential oder Hoffnungsschimmer?

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Ganz althergebracht kannst Du Deinen Fahrschein am Schalter oder am Automaten kaufen. Du willst nicht in der Warteschlange stehen und nicht auf Bargeld angewiesen sein? Dann stehen Dir auch ganz andere Wege offen. Ende 2014 hat Stiftung Warentest Ticket-Apps für Nah- und Fernverkehr getestet. Wir fassen für Dich die großen Kritikpunkte zusammen. Welche vier überregionalen Apps sind trotzdem einen Blick wert und welche Tipps haben wir für Dich? Hier erfährst Du es.

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1. Wie wünschst Du Dir den Ticketkauf?

Du hast keine Verwendung für eine Monats- oder Jahreskarte? Du willst Deinen Fahrschein unabhängig vom Standort oder spontan kaufen? Mit einer Ticket-App wird Dein Handy zum Fahrkartenautomat und zur Fahrkarte. So geht es auch anderen. Jeder dritte würde sein Ticket gerne mit dem Smartphone kaufen – so TNS Infratest.
Und wie wünschst Du Dir den digitalen Ticketkauf? Keine Frage: Der Prozess soll unkompliziert sein und die App soll möglichst überregional genutzt werden können. Idealerweise sieht das dann so aus: Du gibst Dein Wunschziel ein und suchst Dir aus dem Verbindungsangebot die beste Strecke aus. Die App nennt Dir automatisch den günstigsten Tarif. Super wär es, Du erhältst gleich noch eine detaillierte Anzeige Deiner Route und Infos über Verspätungen. Nach dem Kauf wird Dir das Ticket als quadratischer Bildcode auf dem Bildschirm angezeigt. Die Abrechnung sollte dann mindestens per Bankeinzug und Kreditkarte möglich sein.
Leider funktionieren bei keiner der von Stiftung Warentest getesteten Apps alle Schritte des Wunschszenario.

2. Das sagt Stiftung Wahrentest

2014 hat Stiftung Warentest einen umfangreichen Ticket-App-Test veröffentlicht. Das Fazit war ernüchternd. Stiftung Warentest urteilte: Alle Apps sind noch lange nicht ausgereift und der Service ist bisher nur mittelmäßig. Von dem Ticketkauf Szenario seien alle der getesteten Apps noch weit entfernt. Die Ticket-Apps funktionieren laut Stiftung Warentest im Alltag zwar gut. Die vielen kleinen Defizite machen besonders die regionalen Apps aber eher für Gelegeheitsfahrer und Touristen interessant.

Die fünf großen Kritikpunkte

  • Die Ticketauswahl ist stark eingeschränkt. So können in den meisten Fällen keine Sparpreise wie 4er Tickets und die Personenzahl ausgewählt werden.
  • Die Abrechnungen sind unübersichtlich, z.t. unvollständig und die Zahlungsmöglichkeiten meistens sehr eingeschränkt.
  • Jeder Verkehrverbund setzt auf seine eigene App.
  • Das Anmeldeverfahren ist oft unnötig kompliziert.
  • Das größte Problem für die meisten Apps sind der Ausfall von Netz und Akku.

3. Vier überregionale Apps, die einen Blick wert sind

CapitaineTrain App
Capitaine Train:
In Deutschland können mit der App nur Fahrkarten für Fernverkehrszügen der Bahn gekauft werden. Leider entfallen bisher Regional- und S-Bahnen. Beim Ticketkauf kann eine Personenzahl von bis zu 5 Leuten ausgewählt werden. Spartickets für z.B. Gruppen können leider nicht gekauft werden. Die Bezahlen ist bis jetzt nur mit Kreditkarte möglich. Pluspunkt: Mit Capitaine Train können Fernverkehrszüge von neun europäischen Anbietern gebucht werden. Capitaine Train ist für iOS und Android erhältlich.

DBNavigator App
DBNavigator:
Die App liefert zuverlässige Informationen über Fern- und Nahverkehrsstrecken und über Verspätungen. Tickets können für Nahverkehrsstrecken allerdings nicht erworben werden. Preisinformationen zeigt der DBNavigator hierfür auch nicht. Bezahlt wird per Kreditkarte, SOFORT-Überweisung oder Lastschriftverfahren. Pluspunkt: Die App bietet aktuelle Ankunfts- und Abfahrtszeiten und einen detailierter Routenplaner von Haustür zu Haustür. Die App gibt es für iOSund Android.

Handyticket Deutschland App
HandyTiket Deutschland:
Die App ist ein Projekt für den öffentlichen Nahverkehr in unterschiedlichen Regionen. Beteiligt sind bisher 20 Verkehrsverbunde. Leider bemängelte Stiftung Wahrentest sowohl die Anmeldung und eventuelle Datenänderungen. Diese seien aufwändig und nicht aus der App heraus möglich.
Auch bei der Bedienbarkeit und beim Datenschutz müsse noch nachgebessert werden. Als Zahlungsoptionen stehen Lastschrift, Kreditkarte und Prepaid zur Verfügung. Pluspunkt: Wer öfter in verschiedenen Verkehrsverbunden unterwegs ist kann hier – soweit es der Geltungsbereich zulässt – auf eine einzige App zurückgreifen. Handyticket Deutschland steht für iOS und Android zur Verfügung.

Touch and Travel App
Touch & Travel:
Touch & Travel ist eine weitere App der Deutschen Bahn. Sie ermöglicht ein spontanes Aufspringen in letzter Minute. Und das geht so: Vor der Fahrt wird sich aus der App heraus über den Kontaktpunkt am Bahnhof oder über Positionsbestimmung angemeldet. Anschließend verfügt man über eine gültige Fahrkarte und kann in den gewünschten Zug einsteigen. Ein Umstieg oder Zugwechsel ist ohne Ab- und Anmeldung möglich. Nach Ende der Fahrt wird sich wieder abgemeldet. Touch & Travel kann sowohl für den öffentlichen Personenverkehr, als auch für den Nah- und Fernverkehr genutzt werden. Allerdings muss der Geltungsbereich berücksichtigt werden! Die App kann nämlich nicht für alle Regionalzüge und nicht in allen Vekehrsverbunden benutzt weden. Bezahlt wird per Lastschrift. Für jeden Kauf kann aber nur eine Person ausgewählt werden. Spartickets gibt es nicht – 4 Einzelfahrkarten am einem Tag werden aber zu einer Tageskarte zusammengefasst. Touch & Travel gibt es für iOS und für Android.

4. unsere Tipps

  • Ohne laufendes Smartphone kein Fahrschein. Dein Akku sollte vor Fahrtantritt also ausreichend gut geladen sein.
  • Prüfe vorab den Geltungsbereich der jeweiligen App. Sonst wird es schnell teuer oder Du stehst ohne gültige Fahrkarte da.
  • Bahnchaos? Verspätung? Ab einer Verspätung von 60 Minuten muss Dir die Bahn 25 Prozent des Fahrpreises erstatten, ab 120 Minuten sogar 50 Prozent. Mit der iOS App Zug-Erstattung geht das ohne viel Aufwand. Einfach alle erforderlichen Angaben machen und Zug-Erstattung kümmert sich für 99 Cent um den Erstattungsantrag.
  • Übrigens: Dein online gekauftes Ticket bei der Bahn musst Du nicht mehr ausdrucken! Das Onlineticket kannst Du als Handy-Ticket in der App laden. Außerdem wird das Onlineticket bei Fahrkartenkontrollen mittlerweile auch akzeptiert, wenn Du es als Pdf auf dem Laptop oder Tablet vorzeigst.

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Wie sieht’s bei Dir aus: Welche Erfahrungen hast Du mit Ticket-Apps gemacht? Schreib es in die Kommentare!

2 Kommentare

  • Andreas Kah sagt:

    Hi Mareike, ich kann das bestätigen: die Ansätze für Ticket-Apps sind unausgereift – und vor allem nicht ganzheitlich. Passbook ist zwar komfortabel, aber kaufen und einlösen läuft da auch wieder „außerhalb“. Meine Bahntickets habe ich aber immer automatisch (über gmail) in meinem fileee eingelesen und abgelegt. Die Bahn hat sie bei mir übrigens schon in 2014 elektronisch akzeptiert. Ich hatte nie Probleme.

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